Regie & Autorin

Es reicht Medusa ins Gesicht zu schauen, um sie zu sehen: und sie ist nicht tödlich. Sie ist schön und sie lacht.
- Helene Cixous -

Ich bin eine Frau. Und das prägt meine Arbeit. Solange wir uns in Gesellschaften, Kulturen und politischen Situationen befinden, in denen Frauen unterdrücktwerden, ist es unerlässlich die Stimme zu erheben. Deswegen erzähle und zeige ich Geschichten, in denen sich implizit oder explizit eine feministische Herangehensweise äußert. Das kann laut oder leise, sanft oder radikal sein. Wichtig ist, dass Platz für das weibliche Leben und Erleben geschaffen wird. Meinem Verständnis nach geht es im Feminismus im Endeffekt um das Einbeziehen allen Lebens. Daher ist es mein Anliegen etwas im Menschen, im Herzen, zu berühren. Das große Geschenk der Kunst ist die Offenheit, die auf der Bühne entstehen kann. Dieser Prozess fängt in der ersten Sekunde an, noch lange bevor da ein Publikum ist. Mit einem Miteinander. Denn Theater ist Ensemblearbeit.

Lea Reinhardt ist Theaterregisseurin und Autorin. Sie hat einen Bachelor in Übersetzung für Englisch und Russisch, studierte Drama and Theatre am Trinity College Dublin und hat einen Master in Europäische Literaturen (Humboldtuniversität Berlin). Sie besuchte eine Masterclass Directing/Writing von Yael Ronen.Ihr Debüt in der Freien Szene Berlin machte sie 2024 mit ihrem Stück Interlude an der Brotfabrik Berlin. Ebenfalls im Jahr 2024 war sie als Autorin bei der Luaga&Losna Dramatikerinnen Börse mit dem in Co-Autorinnenschaft verfassten Stück Endstation Ekstase eingeladen. 2025 inszenierte sie eine Adaption von Oscar Wildes Salome Salomes Tanz an der Brotfabrik.2026
Chaos oder nicht – Text für Tanzstück, Format ‘Between Us’, Sorbisches National-Ensemble Bautzen
2025
Salome (nach Oscar Wilde) – Regie & Textadaption, Brotfabrik Berlin
2024
Interlude – Regie & Text, Brotfabrik Berlin
2023/24
Endstation Ekstase – Regie & Text, Studierendenwerk Berlin
2022
Heading North – Regie & Text, DU Players
Bildungsweg
M.A. Europäische Literaturen, Humboldt-Universität zu Berlin (2023-2026)
B.A. Drama and Theatre, Trinity College Dublin (2021-2023)
Stipendien & Förderungen
Masterclass Directing/Writing mit Yael Ronen (2025)
DramatikerInnenbörse Luaga&Losna Festival Nenzing (2024)

Lea Reinhardt | Regisseurin | AutorinEigene Arbeiten

INTERLUDE
Should I stay or should I go?
Interlude (Übersetzung: Periode; Abschnitt; Zwischenspiel, Intermezzo) ist ein Stück über das Gehen und über das Bleiben. Mel liebt das Meer und hat Angst vor Häusern, insbesondere denen mit Balkon. Ihre Prämisse ist, Gehen ist einfach und Bleiben ist schwer. All die Dinge, die mit dem Gehen jedoch verbunden sind, sind auch schwer. Menschen verletzten zum Beispiel. Es ist einfach mit jemandem zu schlafen, vielleicht ist es sogar noch einfacher darüber zu lachen, dass man den Namen der Person vergessen hat. Es ist schwer sich einzugestehen, dass man in der Anonymität des Geschlechtsverkehrs verloren gegangen ist. Es ist einfach die Absolution einer anderen Person zu erfragen, es ist schwer sich diese selbst zu erteilen. Ein Leben, dass man nicht lebt, ist voller Möglichkeiten und Geheimnisse, Momente, die man nicht erleben wird. Man weiß, dass es sie gibt, diese Momente. Bleich, wie die verblassenden Linien eines Stempels, die mit jedem Waschen der Hände dünner werden.
Verzweiflung ist okay. Fehler sind okay. Entscheidungen sind okay.
Regie und Text, Brotfabrik Berlin, 2024

Salomes TanzSalome von Oscar Wilde reduziert auf den zentralen Machtkonflikt: Herodes der Tetrach, Jochanaan der Prophet und Salome die Königinnentochter. Ein Dreieck der Gewalt, der Macht und des Machtmissbrauchs. Herodes verliert sich in seiner Herrschsucht und steht mit seiner Gottesfurcht unter ständigem Einfluss des Propheten. Der Prophet fürchtet den König nicht, doch er verachtet Salome und das, was sie ist. Eine Frau. Der eine spricht ihr das Existenzrecht ab und der andere sieht sie nur als ein Objekt seiner Begierde.
Und Salome? Salome kämpft um ihr Leben. Doch vielleicht muss etwas sterben, um Platz für etwas Neues zu machen. Sogar sie selbst.
Die Musik wurde eigens für das Stück entwickelt und agiert als ein antreibender Charakter. Der Raum wird durch Licht und Schatten eröffnet und geschlossen. Zur Gänze verschwindet keine der drei Figuren, da ihre fortwährende Präsenz Bestandteil der bestehenden und sich verändernden Machtverhältnisse ist. Zeitliche und lokale Verortungen wurden gestrichen. So war es möglich sich auf den zentralen Konflikt zu konzentrieren und diesen als aktuelle Spiegelfläche und nicht als ein Produkt einer anderen Zeit zu inszenieren. Grundlage ist eine gekürzte Version des Originals. Die Worte und ihr Klang spielen eine maßgebliche Rolle im Stück. Gleichsam mit dem Text dominiert eine sinnliche Erfassbarkeit der Dinge. Die Bewegung ist ein Schlüsselzugangspunkt zu den Figuren. Mit einem Choreographen wurde für jede Figur ein eigener Bewegungstonus herausgearbeitet, der innere Konflikte des Charakters äußerlich ausdrückt. Ziel davon war eine Abstraktion zu finden, die sich von den Spielenden so zu eigen gemacht wird, dass ihr Spiel den Ausdruck auf der körperlichen Ebene methodisch verstärkt.„Du bist tot. Und ich lebe…noch“ sagt sie zu ihm. Das Ziel dieser Inszenierung war es, die Bedrohlichkeit, mit der viele Frauen leben müssen, als auch die von Institutionen, Politik und Gesellschaft ausgeübte Unterdrückung, offenzulegen. Denn die Frau ist immer noch in Gefahr und muss sich ihren Lebensraum im wahrsten Sinne des Wortes erkämpfen.Regie und Textadaption, Brotfabrik Berlin, 2025

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